Hanseboot 2016: „Astral“ Spitzgatter von 1939

Auf der Hanseboot 2016 gab es zum Glück nicht nur neue Yachten zu sehen. Diesen Artikel widme ich einer klassischen Yacht.
Wir entdeckten das Boot am Ende der Segelboothalle zwischen einigen Jollen und kleineren Booten.
Das schöne Holz und die klassische Bauform mit Langkiel machten uns sofort neugierig.
Was wir gefunden hatten war die „Astral„, ein Spitzgatter gebaut 1939 (und 1946 zu Wasser gelassen).

Mit dem Eigner habe ich mich eine ganze Weile über sein Boot unterhalten:

 

 

 

 

Er hat das Boot für 4.000 € in einem sehr schlechten Zustand gekauft. Nach der Investition von 1.000 € für Material und 3.000 (!) Arbeitsstunden, ist die Astral wieder eine richtige Schönheit.
Das kleine aber tiefe Cockpit strahlt sofort Sicherheit aus. Gesteuert wird über eine Pinne, die aber durch die Großschotführung seitlich im Ausschlag begrenzt ist.

 

 

 

 

Beeindruckend fand ich schon von Weitem den hohen Mast und das beträchtliche Großsegel. Eine Segelfläche Am-Wind von 38-46m² sind für ein 7,91 m Schiff sehr großzügig.
Der Mast ist eine gewachsene dänische Tanne. Ich habe den Eigner gefragt, ob er die Festigkeit des Masts untersucht hat. Durch einen morschen Holzmast waren dieses Jahr bei einem Unfall 3 Menschen auf einem Klipper ums Leben gekommen. Der Mast der Astral konnte bei 2 Probebohrungen zeigen, dass er seine Festigkeit über die Jahre behalten hat.
Bemerkenswert fand ich, dass es weder Achterstag noch Backstage gibt. Bei Wind verbiegt der Mast sich dementsprechend.
Um das Material zu schonen werden bei viel Wind statt Halsen nur noch Q-Wenden gefahren. Gegen den Druck des Großsegels kann bei Am Wind Kurs nicht abgefallen werden. Deshalb muss die Großschot gefiert werden. Ich kenne dieses Verhalten eher von Jollen z.B. der Laser Bahia.
Unter dem Eingang zum Niedergang befindet sich eine kleine Einbaumaschine.

 

 

 

 

Durch das viele Holz wirkt die Kajüte sehr dunkel. Dieser Eindruck wird durch die kleinen Bullaugen noch verstärkt.
Am Niedergang gibt es eine kleine Tür. Dahinter befindet sich aber nicht die erwartete Toilette, sondern nur ein kleiner Schrank.
Eine Toilette gibt es an Bord nicht (wohl aber eine Pütz). Ein kleines Kochfeld ist vorhanden.

 

 

 

 

Schön, dass sich jemand dieser alten Yacht angenommen hat und sich so aufopferungsvoll darum kümmert. Um die Komforteinschränkungen (Platz, Toilette) wegzustecken, muss man schon ein wahrer Liebhaber sein…
Gerade habe ich zufällig gelesen, dass der Eigner Jens Burmester für seine Astral eine Auszeichnung vom Freundeskreis Klassische Yachten erhalten hat.
Das freut mich sehr!

 
Bericht von Yacht.de

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