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Überführung vom Müggelsee zum Wannsee in Berlin

20. Dezember 2025

Vorwort

Der Plan

Meine ehemalige Co-Skipperin vom Ostsee-Törn 2023 hat sich inzwischen ein eigenes Boot in Berlin gekauft. Den Liegeplatz am Müggelsee konnte sie leider nur für eine Saison übernehmen. Spontan ergab sich jedoch die Möglichkeit, einen Liegeplatz am Wannsee zu bekommen.

Damit war klar: Das Boot musste überführt werden. Da sie keinen Straßentrailer besitzt, kam eine Überführung über die Wasserwege von Anfang an in Frage – und wurde schnell zur einzig realistischen Option.

Die Strecke

Für die Strecke gab es zwei Optionen. Die eine führte durch den Teltowkanal im Süden Berlins, die andere direkt durch die Berliner Innenstadt. Obwohl die zweite Variante sicher die touristisch interessantere gewesen wäre, fiel sie schnell aus der Auswahl.

Der Grund: In der Innenstadt besteht eine Benutzungspflicht für Binnenfunk, und an Bord war keine Funkanlage vorhanden. Außerdem wäre es dort mit Ausflugsbooten und weiterem Verkehr deutlich stressiger geworden.

Aufgrund der zahlreichen Brücken war die Überführung ohnehin nur mit gelegtem Mast möglich – Motorbootfahren statt Segeln also.

Da ich die Berliner Gewässer noch gar nicht kenne, hatte ich direkt Lust, bei der Überführung mitzumachen.

Die Fahrt

Die Fahrt beginnt

Anfang April ging es für mich an einem Samstag mit dem ICE nach Berlin Südkreuz. Dort traf sich unsere vierköpfige Überführungscrew am Abend.

Am Sonntag klingelte der Wecker dann schon früh. Schließlich lagen rund 50 Kilometer Wasserweg vor uns. Im Gepäck hatten wir Thermoskannen mit Kaffee und belegte Brötchen. Auch für den Hunger des Benzinmotors war mit mehreren Kanistern gut vorgesorgt. Unsere Skipperin hatte den Törn insgesamt sehr gut vorbereitet.

Da sich der alte Liegeplatz am Westufer des Müggelsees befand, konnten wir den See direkt über die Müggelspree verlassen. Der nagelneue Yamaha-Außenborder mit 5 PS lief dabei deutlich ruhiger als mein eigener Motor. Ungewöhnlich war allerdings, dass wir immer mit aufgeholtem Ruderblatt fuhren und ausschließlich mit der Motorpinne steuerten.

Der Grund dafür: Bei abgelassenem Ruderblatt wäre ein Kontakt mit dem Propeller möglich gewesen.


Starthafen



Der Heckkorb

Unsere Skipperin saß auf dem Heckkorb und steuerte das Boot souverän. Ich dachte mir noch: Da würde ich mich mit meinem Gewicht lieber nicht draufsetzen. Aber wer bin ich, anderen Leuten zu sagen, wo sie auf ihrem Boot sitzen sollen?

Am Heckkorb hatte ich mein Amateurfunk-Handfunkgerät an der Handschlaufe befestigt, um damit die Binnenfunkkanäle abhören zu können. Aufgrund einer plötzlichen Eingebung nahm ich das Funkgerät vom Heckkorb ab und steckte es in meine Tasche.

Kurze Zeit später gab es einen lauten Knall, und unsere Skipperin hing plötzlich außenbords, nur noch knapp über der Wasseroberfläche. Nachdem wir sie zurück ins Boot gezogen hatten, war schnell klar, was passiert war: Das Rohr des Heckkorbs, auf dem sie gesessen hatte, war herausgebrochen und im Berliner Wasser verschwunden.

Außer einem ordentlichen Schrecken war zum Glück nichts passiert. Nasse Sachen hätten bei diesen Temperaturen vermutlich das Ende unserer Überführung bedeutet.


Fahrt durch Berlin

Das Ufer zeigte sich sehr abwechslungsreich: Sportboothäfen, Wohnbebauung und zwischendurch auch einfach Wald.

Den Tank des Außenbordmotors füllten wir etwa alle eine Stunde aus dem Kanister nach. An der Pinne wechselten wir uns regelmäßig ab. Auch das Wetter zeigte sich von seiner wechselhaften Seite: dunkle Wolken, auffrischender Wind und immer wieder kurze Regenschauer. Mehrmals suchte ich Schutz in der kleinen Kajüte. Der mitgebrachte Kaffee und die belegten Brötchen leisteten dabei gute Dienste.

Am Gebäude der Hochschule HTW Berlin freute sich mein Funkerherz über die Kurzwellenantennen auf dem Dach.

Nach rund vier Kilometern bogen wir nach links in die Dahme ein. Hier wurde es etwas urbaner, und der Weg führte uns am Köpenicker Schloss vorbei.

HTW mit Kurzwellenantennen auf dem Dach


Der Teltowkanal

Nach weiteren 3 km fuhren wir in den 1906 eröffneten Teltowkanal ein. Die Fahrt durch den Teltowkanal war geprägt von viel Natur und stillgelegten Industrieanlagen. Richtige Lost-Places. Unter einer Brücke tanzte ein Wohnungsloser bei unserem Anblick begeistert. Genau so hatte ich mir eine Bootsfahrt in Berlin auch vorgestellt. Es herrschte wenig Bootsverkehr im Kanal. Ab und zu begegnete uns ein Motorboot. Sicherlich ist das in der Saison anders.


Der Schubverband

Hinter einer Kurve kam uns ein Schubverband entgegen. Als der Verband nicht mehr weit entfernt war, stoppte unser Motor mit einem Röcheln. Tank leer! Mit der verbleibenden Fahrt schafften wir es gerade noch an das rechte Kanalufer.

Ich begab mich nach vorne auf den Bug und hielt das Boot in Position, indem ich ein Bein auf das Ufer stellte. Für weitergehende Sicherungsmaßnahmen fehlte schlicht die Zeit. Die restliche Crew betankte währenddessen den Motor mit dem Kanister.

Als sich der Schubverband an uns vorbeischob, wurde unser Heck zunächst in Richtung Verband gezogen. Zuerst löste sich das Heck vom Ufer, dann wurde auch am Bug der Zug so stark, dass ich das Boot mit dem Bein nicht mehr halten konnte. Für einen kurzen Moment trieben wir manövrierunfähig neben dem Schubverband. Glücklicherweise war der Verband schnell vorbei – und auch unser Motor sprang kurz darauf wieder an.

Was war passiert?
Zum Nachfüllen des Tanks hatten wir uns immer einen Timer auf eine Stunde gestellt und waren mit diesem Intervall über mehrere Stunden gut gefahren. Ein Crewmitglied hatte jedoch – von den anderen weitestgehend unbemerkt – das Motorgas leicht erhöht. Durch diese kleine Veränderung stieg der Verbrauch, und unser bisheriger Tankzyklus reichte plötzlich nicht mehr aus.

Die Situation war gefährlich und hat mich noch eine Weile beschäftigt. Bei einer Kollision hätte sich unser Boot am Verband verhaken und unter Wasser gedrückt werden können. Ein Schubverband bringt ein enormes Gewicht mit sich und kann nicht einfach mal eben stoppen.

Ich denke, dass wir in dieser Situation richtig gehandelt haben – viele Optionen gab es nicht. Dass der Motor ausgerechnet an dieser Stelle ausging, hat Murphys Law mal wieder eindrucksvoll bestätigt.



Weiter bis zur Schleuse

Weiter ging die Fahrt durch den Kanal. Selbstredend füllten wir den Tank nun gewissenhaft und deutlich häufiger auf.

Dabei passierten wir das imposante Heizkraftwerk Lichterfelde, das rund 100.000 Berliner Haushalte mit Strom und Fernwärme versorgt.

An einem stillgelegten Anleger legten wir aus persönlichen Gründen eine kurze Pause ein.



Schleuse Kleinmachow

Rund 30 Kilometer nach der Einfahrt in den Teltowkanal erreichten wir die Schleuse Kleinmachnow.

Die Schleuse Kleinmachnow war das Highlight unserer Strecke. Die Doppelschleuse wurde im Jahr 1906 erbaut und hat eine Fallhöhe von 2,86 Metern. Mit ihren roten Dächern ist die Schleusenanlage auch optisch sehr ansprechend. Sie ist nicht nur funktional, sondern auch schön gebaut.

Bei unserer Planung im Internet konnten wir vor dem Törn nicht herausfinden, welche der beiden Schleusen in Betrieb sein würde. Entsprechend mussten wir uns vor Ort erst orientieren. In unserem Fall war die Südschleuse geöffnet.

Wir waren das einzige Boot in der Kammer. Ein bisschen Anspannung war auf jeden Fall da: Wo müssen wir hin? Wie funktioniert das hier genau? Die Leinenführung gestaltete sich etwas schwierig, da es für unser kleines Boot nur wenige geeignete Befestigungspunkte gab. Eine Leine ließ sich vor der Ausfahrt schließlich erst mit Hilfe des Bootshakens wieder lösen.

https://www.wsa-spree-havel.wsv.de/Webs/WSA/Spree-Havel/DE/01_Wasserstrassen/01_BauwerkeAnlagen/02_Schleusen/Tek/Schleuse_Kleinmachnow/schleusen_text.html




Schleuse bis Wannsee

Nach der Schleuse setzten wir unsere Bootsfahrt durch den Kanal fort. Nach rund 5 Kilometern bogen wir 90° nach rechts in den Griebnitzkanal (auch Prinz-Friedrich-Leopold-Kanal genannt) ein.

Dieser Kanal ist recht eng, und Fahrzeuge über 2 Meter Breite dürfen ihn nur abwechselnd befahren. Realisiert wird das über ein einfaches, aber effektives System: Boote, die von Süden kommen, fahren den Kanal zur halben Stunde plus 20 Minuten, die von Norden kommenden Boote zur vollen Stunde.

Besonders unter den Brücken zeigt der Kanal seine Enge. An den Ufern konnte man eindrucksvolle Häuser mit passenden Bootshäusern bestaunen – großer Kontrast zu den Lost Places auf der vorangegangenen Strecke.




Wannsee

Als sich das Gewässer immer weiter öffnete, wussten wir: „Jetzt sind wir auf dem Wannensee, es ist nicht mehr weit.“

Der See war voller Segelboote unterschiedlichster Größen, die gerade eine Regatta austrugen. Der Wind war kräftig, und die Boote segelten entsprechend schnell, oft mit deutlicher Krängung. Mit unserem kleinen Außenborder schlängelten wir uns vorsichtig durch das Feld, immer darauf bedacht, niemanden zu behindern.

Wie auf ein unsichtbares Signal hin preschten mehrere offene Motorboote der DLRG mit Blaulicht auf einen gemeinsamen Punkt zu. Beim Näherkommen stellten wir fest, dass der Mast eines Bootes gebrochen war.

Auf dem Wannensee entdeckten wir außerdem eine schöne, klassische Ketsch. Unsere Skipperin erkannte sofort: Es handelte sich um die Prosit IV.
Mehr Infos zur Prosit IV

Anlegen Zielhafen

Nach etwa 5 Kilometern Fahrt über den Wannensee kam unser Zielhafen in Sicht. Laut Google Maps sind dort die Wassersportgemeinschaft am Großen Fenster und die Segelschule Hering ansässig. Bei letzterer hatte ich damals meinen Törn von Madeira nach Lanzarote gemacht.

Die Anlegesituation gestaltete sich wegen des kräftigen Windes eher ungünstig. Da wir nur mit der Motorpinne steuern konnten, war die Manövrierfähigkeit zusätzlich eingeschränkt. Jede Richtungsänderung war gleichzeitig auch mit einer Beschleunigung verbunden. So landeten wir prompt zunächst auf dem Legerwall an den Dalben – passiert den Besten!

Für mich ging es danach direkt auf den Rückweg nach Leipzig. Dieser bestand aus einem längeren Fußmarsch, einer Busfahrt und einer S-Bahnfahrt zum Hauptbahnhof. Dort hatte ich noch genug Zeit für ein Abendessen, bevor mich ein EC zurück nach Leipzig brachte.

Die restliche Crew nutzte die Zeit im Hafen noch, um den Mast wieder zu stellen.

Fazit

Insgesamt legten wir an diesem Tag eine Gesamtstrecke von 51 Kilometern auf Berliner Wasserwegen zurück. Für mich war diese Fahrt eine einmalige Chance, bei der ich sehr viel Neues lernen konnte.

Wir hatten Glück, dass wir unsere heikle Situation mit dem Frachtschiff ohne Schäden überstanden haben – eine Erinnerung daran, dass man selbst auf scheinbar ruhigen Kanälen nie völlig sicher ist.

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Marcus

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